Bartholomäuskirche Mistelgau

St. Bartholomäuskirche Mistelgau
Schulstraße 4, 95490 Mistelgau


Historie

Mistelgau, am Nordostrand der Fränkischen Schweiz, liegt im ehemaligen Fürstentum der Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth. Auf Schritt und Tritt wird dies beim Besuch der St. Bartholomäuskirche deutlich.
Schon die Inschriften über dem Süd- und dem Westportal weisen auf den „Durchlauchtigsten Fürstlichen Herrn“, den Markgrafen zu Brandenburg in Preußen hin, den „Herzog der Regierung dieser Lande“. Das Portal auf der Südseite ist in barocker Festlichkeit besonders prächtig gestaltet. Zwei Säulen rahmen das Korbbogentor ein. Sie tragen einen Giebel mit der Inschriftenkartusche, bekrönt vom Fürstenhut des Landesherrn. Auch der Kirchturm erinnert mit dem markgräflichen Wappen an die ehemaligen Landesherren dieses Gebietes.

 

Einfluss in Politik und Kunst

 

1528 führten die Markgrafen die lutherische Reformation ein und ließen durch ihr Konsistorium die Oberkirchenherrschaft ausüben. Das war die politische und kirchenrechtliche Seite ihres Einflusses. Daneben kümmerten sie sich aber auch um die künstlerische Ausgestaltung der Kirchenbauten. Künstler und Handwerker des Bayreuther Markgrafenbarock errichteten 1735 bis 1737 das neue Langhaus der Kirche und gestalteten es aus. Die Eingangsportale tragen bis heute die Handschrift des markgräflichen Landbauinspektors Johann David Räntz. Er ist vermutlich auch als Architekt für den ganzen Neubau anzusehen. Ein anderer bekannter Meister aus Bayreuth, Johann Georg Brenck, schuf den mit drei Engeln und Blüten reich verzierten Taufstein am Eingang zum Chorraum. Dicht daneben steht die vom Bayreuther Stadtbildhauer Johann Kaspar Fischer gestaltete Kanzel: Simson aus dem Buch der Richter trägt den Kanzelkorb. Auf diesem wiederum stehen zwei Engel und stützen den kronenartigen Schalldeckel. Von Fischer stammt auch der Altar im Turmuntergeschoss mit einer eindrucksvollen Kreuzigung Christi.

 

„Armenbibel“ an Emporen

 

Vom Altar aus bietet sich ein guter Blick in das hohe Langhaus der Kirche. Eine dreiseitige doppelte Emporenanlage ist in den Raum eingestellt. Sie wird von marmorierten Säulen getragen. Die profilierten Brüstungen sind ebenso wie das alte Gestühl im Kirchenschiff bemalt. Einen großen Schatz an biblischen Darstellungen weisen die Brüstungsfelder der Emporen auf:

55 Bildnisse aus der Heiligen Schrift. Es sind Werke des Bayreuther Hofmalers Johann Heinrich Schertel.

Johann Nikolaus Feeg schuf den höfischen Stuck. Er umgibt das Deckengemälde von Meister Georg Christoph Gebhard. Dieses Deckengemälde zeigt die Taufe Jesu und – über dem Chorbogen – die allegorische Abbildung des Gottesauges.

Barocke Bayreuther Pracht, wohin das Auge blickt. Darüber soll aber nicht vergessen werden, dass Gotteshaus und kirchliches Leben weiter zurückreichen. Bereits 1520 war der Ort Pfarrei. Frühmessstiftungen bestanden schon im 15. Jahrhundert und weisen auf eine Kirche hin, die etwa 1439 entstanden sein soll. Mistelgau selbst gehört zu den ältesten Orten des Hummelgaus. Darauf weisen vor allem das Untergeschoss des Kirchturms aus dem 15. Jahrhundert und Grabdenkmäler fränkischer Rittergeschlechter hin.

 

Text nach Ewald Glückert